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Es ist nie ein schöne Angelegenheit, wenn die einstmals so geliebte Indie Band ihren Sound für den Mainstream aufpoliert und man urplötzlich auch mit Leuten „seine“ Lieblinge teilen muss, die eigentlich gar nicht wirklich Musik mögen.

Dizzy Up The Girl war sicherlich kein raues Low-Fi Album oder ein nicht beabsichtigter Chartserfolg wie „Nevermind“, sondern durchaus gut produziert und mit so wenig Kanten, dass es auch jederzeit die Charts in Deutschland hätte stürmen können. Mit „Iris“ bekannt durch den „Stadt der Engel“-Film, gab es zudem den potentiellen Megahit, der aber trotz massivem Airplay merkwürdigerweise wie Blei in den Regalen blieb. Für deutsche Ohren war der uramerikanische Mix aus Alternative Rock, Grunge, College Rock und Country wohl nicht schubladen- und damit nicht konsensfähig. Dass der stets gut frisierte Schönling John Resznik auch aussah wie John Bon Jovi oder Eric Roberts in ihren jungen Jahren, heimste auch nicht unbedingt Bonuspunkt in der Indie-Gemeinde ein.

Selbst die noch kommerzielleren Nachfolgeralben „Gutterflowers“ und „Let Love In“ konnten nichts reißen, so daß die Goo`s immer noch ein amerikanisches Chartsthema blieben und wohl auch immer bleiben werden. Wer allerdings zusammen mit Popsternchen Avril Lavigne seinen größten Hit „Iris“ schändet, darf sich darüber nicht wundern.

In den späten 90ern war allerdings noch Vieles anders und die Goo Goo Dolls Kritikerlieblinge, die standesgemäß meht Lob bekamen als viele Alben zu verkaufen und sich schon kurz davor sahen als Kultband mit dem Semi-Hit „Name“ zu enden. „Dizzy Up The Girl“ war also der letzte Strohhalm, um noch einmal den verdienten Erfolg einzufahren und mit den Singles „Iris“ und „Black Ballon“ ging das Konzept auch auf.

„Dizzy Up The Girl“ wurde wesentlich besser als die rumpeligen Vorgänger produziert, auch die Songs wurden ausgefeilter und besser. Wo früher noch aus Gründen der Kredibilität eine Spur härter geschaltet wurde, schlichen sich nun durchaus feine Melodien ein und trotzdem hörte man Resniks Reibeisen Organ die alkoholgeschwängerte Drogenvergangenheit an. Auch gab es keinen breitbeinigen Stadionrock mit Macho-Komplex, sondern eine düstere Melancholie, die sich abgesehen von dem punkigen „Slide“, durchaus Platz für große Emotionen nahm.

Wo Filme wie z.B. „A Beautiful Mind“ für das gute Hollywood stehen, hätte „Dizzy Up The Girl“ ein Paradebespiel für einen konsensfähigen, aber dennoch qualitativ hohen Alternative Rock werden können und die Goo Goo Dolls hätten danach verdient abtreten können. Sind sie aber leider nicht und mit prollligen Nichtskönnern wie Three Doors Down und Nickelback kam Anfang der 00er Jahre auch der endgültige Todestoß für anspruchsvollen Alternative.

Source: http://seite360.wordpress.com/2010/01/15/goo-goo-dolls-rezension-zum-90er-klassiker-dizzy-up-the-girl/
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